37 280x210Das Streben der Mutter nach Familienglück hat wegen der Ehe mit Álvaro und Aracelias Geburt den Clan gegen sie gebracht. Alle hofften auf eine glänzende Opernkarriere mit gesellschaftlichen und finanziellen Vorteilen. Omas wildes Liebesleben, der andauernde Ehekrieg der Eltern, Tante Jennys Drogen- und Alkoholsucht, der zusetzende Sippenfluch, stressiges Herumreisen und das Leben im Ausland – die sensible Mutter konnte es auf Dauer nicht verkraften.
Aracelias Rückblick erfolgt größtenteils auf dem Weg nach Santiago, was ihrem Wunsch zur Abiturfeier etwas verspätet entsprach.

Heimat(losigkeit), Leben in der Fremde, zumal in Deutschland, spielen für Álvaro, dessen geheimes Vorleben und prekäre Gesundheit zu einem dramatischen Ende führen, eine entscheidende Rolle.
Ergebnis: Entwurf dreier Lebensläufe, von Aracelia ziemlich eigenwillig gezeichnet.
Der erschütternde Abschiedsbrief an den Freund Norma aus Santiago, die einzige ihr noch treu bleibende Vertrauensperson,
offenbart, wie aussichtslos sie auf die Zukunft blickte und mit welcher Konsequenz sie danach handelte.
Drei Lebenswege. Drei Todesarten.
Der Brief von Norma aus Santiago de Compostela rettet sie von ihrem letzten Wahsinnsakt.


Aus den Tropen
(Großstadt-Fragmente)

Legendäres luxuriöses Hochhaus in S. Paulo, der erste Wolkenkratzer der Stadt – schillernder Mikrokosmos mit bewegter Geschichte, um die Zeit (der Handlung) ziemlich verwahrlost. Tür an Tür: Alltag im Elend, Chaos, Unrat, dekadenter Luxus, vielerlei Geschäfte, Gaunereien, Verbrechen – der ganz normale Irrsinn der Großstadt, an einem Ort konzentriert.

Eine Gruppe von Freunden um die dreißig und ihre Geschichten ums Überleben
Ein Liebespaar, eine Obsession
Dazu: unzählige Nebenfiguren und Statisten

  • Um 1965/1985: turbulente Zeiten in Brasilien. Militärdiktatur. Knallhart greift das Militär durch, tatkräftig unterstützt/anerkannt von den USA und Europa (BRD-Atomverträge). Folgen: Verschleppungen, Folter, Mord,
    Menschen spurlos verschwunden. Um sich zu retten, tauchen manche unter, so auch der Erzähler, der sich allerdings nicht ganz retten kann. AndereFreunde und Bekannte gehen drauf.

Montagmorgen: mitten im Geschrei von streikenden Bankangestellten fällt ein Schuss in dem Hochhaus. Ringsum der
übliche Dauerlärm und das tägliche Chaos des Autoverkehrs. In seinem Zimmer oben – der Melancholiker. Was machen
die Freunde? Wo ist seine Braut? Was ist ihr Geheimnis? Was geschah mit beiden? Ihre obsessive Liebesgeschichte zieht
sich wie ein roter Faden durch die ganze Handlung.
Nach 20 Jahren: Erinnerungen kommen auf. Auf die Notizen des Erzählers basiert der Roman. Begegnungen und Gespräche mit Freunden, Storys vom Hörensagen, Notizen der verschollen Braut. Mit Rückblenden, Abschweifungen, Einschüben entsteht eine nicht lineare Erzählung. Offenbar unter den Folgen von Folter (nach einer langen Odyssee im Untergrund) und paranoiden Erscheinungen fällt dem Chronisten wider Willen denkbar schwer, Fakten und Personen richtig einzuordnen (inklusive sich selbst) und so seinen »Notizen« die endgültige Form zu geben. Zudem schwelgt er in erotischen Fantasien, angeblichen oder realen Liebesaffären, seiner kritischen Lebenslage völlig entfremdet.
Zum Schluss kümmern sich lediglich zwei Freunde aus alten Tagen um ihn und seine »Notizen«. Eine Professorin, die ihn nach vielen Jahren zufällig wieder trifft, in der Anstalt mehrmals besucht und tröstet, im Briefwechsel mit dem gemeinsamen, zwischen Deutschland und Spanien pendelnden Freund, von ihm und seinem Zustand berichtet, wie von seinem sonderbaren Konvolut, mit dem sie nichts anzufangen weiß. Aus ihrem letzten Brief entnimmt man auch die letzten Informationen – über den Erzähler und seine »Chronik«.

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