Mit offenen Armen empfangen, mit großer Spontaneität, Begeisterung und Bereitwilligkeit, umgehend ein musikalisches Projekt gemeinsam zu organisieren,
setzten wir, aus naheliegenden Gründen, die unseren persönlichen Geschmack und die bisherigen Erfahrungen mit dem herzlichen Empfang seitens des Publikums
und der Kritik, vor allem in Deutschland, betrafen, zu unserem primären Ziel, das reiche Feld der brasilianischen Musik zu erkunden, möglichst mit einem modernen
Jazz-Ansatz im Gegensatz zum klassischen, den wir gewohnt waren.
Gleich bei der ersten Suche nach geeignetem Repertoire ließen wir beiseite, in gegenseitigem Einvernehmen und aus musikalischen Gründen, die mit der Interpretation
verknüpft waren wie auch mit der enormen Verbreitung von bestehenden Arbeiten in diesem Bereich, die Idee, das Gebiet des Bossa Nova und Ähnliches zu betreten.
In Deutschland hatten wir bereits (Carmen Durán und ich) an vielen Konzerten und Liederabenden teilgenommen, einschließlich mit Werken von Villa-Lobos, Lorenzo
Fernández, Francisco Mignone, Camargo Guarnieri, Osvaldo Lacerda, Valdemar Henrique, Claudio Santoro sowie Luís Bonfá, Tom Jobim, Chico Buarque, Toquinho und
von anderen hohen Tieren dieser großartigen Spezies.
Als wir, unter anderen Meisterwerken, die Arie aus den Bachianas Brasileiras Nr. 5 probierten, die Carmen Durán schon bei ver-
schiedenen Anlässen gesungen hatte, zuerst beim Musikfestival Heidelberger Frühling mit der Originalbegleitung der 8 Cellisten
des Philharmonischen Orchesters Heidelberg, und danach mehrfach wiederholte mit Klavier- und Gitarrenbegleitung, erkannten
wir sofort, die beste Lösung wäre es, uns ausschließlich auf die Werke von Villa-Lobos zu konzentrieren und ein volles Programm zusammenzustellen als künstlerische Herausforderung, als Hommage an diese einzigartige Figur der brasilianischen Musik. Von
Werk zu Werk und von Experiment zu Experiment legten wir ein Programm fest – mit 6 Originalen von Villa-Lobos, meisterhaft
arrangiert von Alberto Conde, plus 4 Stücken eigens dafür komponiert, teilweise mit Texten ebenfalls ganz speziell für dieses
Projekt konzipiert.
Schließlich ist es nicht ganz überflüssig zu bemerken, dass die eigene Kompositionsmethode von Villa-Lobos und sein sehr persön-
liches kreatives Konzept uns offenbar einladen, alle Arten von Versuchen zu unternehmen, die uns seine brillanten Erfindungen und harmonischen Vorschläge anbieten, um seine Schöpfungen neu zu beleben oder zumindest bestimmte Facetten davon, freilich nach unseren technischen Gegebenheiten und Interpretationsmöglichkeiten, das heißt über den klassischen Stil hinaus, herkömmlich als ernsten bezeichnet, eines Instrumentalensembles wie eines Streichquartetts, der 8 Celli aus den Bachianas Nr. 5 oder eines Sympho-
nieorchesters und gemischten Chors der Choros Nr. 10, aber mit der klaren Absicht, einen ernst gemeinten Vorschlag zum künstle-
rischen Ansatz, dem Villa-Lobos (der im Leben und auch danach so wenig öffentliche/offizielle Anerkennung in Brasilien erhielt) in
seinem unermüdlichen Enthusiasmus und erstaunlicher Offenheit nicht nur den Segen, sondern auch seinen freundlichsten Applaus
sicherlich spenden würde.
So wollen wir es verstehen und anstreben. So hoffen wir es. Respektvoll verbeugt vor dem brasilianischen Universalgenie.
Und wagemutig dem interessierten Publikum gegenüber.
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