Prelude No. 5 (H. Villa-Lobos)![]()
Letztes der Serie von fünf Präludien für Gitarre, 1940 entstanden (eine angebliche Nr. 6 ging verloren), dessen Merkmal das (poly)tonale Spiel ist, wie auch die entsprechenden harmonischen Wechsel, zweifellos mit dem Ziel, die relative Einfachheit der Melodie zu bereichern, die an eine typische »Seresta« erinnert.
Der Text (jrBustamante), an die Struktur des Präludiums angelehnt, nimmt den Charakter einer poetischen Reflexion im Ton einer Seresta (Serenade), als Hommage des Autors an das Genie des beliebten Villa-Lobos seresteiro (Serenaden-Sängers/Spielers).
Wir haben vorgezogen, dem melodischen Duktus entsprechend, die Originaltonart beizubehalten.
Es war einmal ein Präludium ohne Text, von Villa für seine Gitarre komponiert,
das eines Tages ein Dichter beschloss, es in einen Song zu verwandeln… so war es!
Die Schlichtheit der melodischen Linie suggeriert die Leichte schneeweißer Wolken
schwebend in einem blauen Sommermorgen oder ein fast ätherisches Wesen: ein Kolibri.
Flüchtige Worte beim sanften Wiegen der Meereswogen … Ponteio? Ciranda?
Modinha im Rhythmus eines leichten Walzers… maliziös? Nun ja!
Hum! Hum! Hum! Hum! Modinha? Präludium? Worte sind es!
Ach, diese ziehenden Wolken und ihre Spuren in den blauen Sommermorgen,
da schwebt meine Stimme, den Präludium-Song modulierend … einfach so!
All die Schönheit eines leichten Zupfens, die in der schlichten Kadenz eines Verses
das Wort trägt, das den Zauber einer magischen Sehnsucht bewährt … träumen… singen… reden… von der Liebe!
Komposition von Alberto Conde (Carmen Durán gewidmet), als Fuge und Variationen im schlichten Stil einer Modinha.
Auch hier will der lyrische Text (jrBustamante), direkt an der Originalpartitur geschrieben, sich an die bestehende Struktur einfügen,
um möglichst eine perfekte Fusion von poetischer Komposition und Melodie mit dem Rhythmus und den harmonischen Variationen zu erlangen.
So viele Wege durch Meere und Länder // bis zum letzten Rand von Träumen und Visionen … // Träumen ist nötig!
So viel Sehnsucht in Form einer Flucht // und immer nach einem Ideal // in der Hoffnung anzukommen …
So viele Versprechungen, Illusionen, Verfehlungen …
Ach, es ist nötig, die Wege zu markieren … // bis zum Meeresrand zu fahren … // mit offenen Augen … lachen und singen …
Das ist meine Art, mein Geheimnis: diese Freude, dem Leben Hymnen zu komponieren!
Bachianas Brasileiras No. 5 - Aria / Cantilena (H. Villa-Lobos)![]()
Eine der berühmtesten und meist aufgeführten Kompositionen von HVL, weltweit, daher auch sehr malträtiert, sogar von namenhaften Stars, leider erstaunlich oft.
Text von Ruth Valadares Correa. Villa-Lobos Musik rettet ihn vor einer gewissen kitschigen Harmlosigkeit.
Das ist, was unser sorgfältig erarbeiteter Interpretationsbeitrag in aller künstlerischen Ehrlichkeit auch anstrebt. Daher respektieren wir grundsätzlich das Original mit dem kreativen und geglückten Arrangement von Alberto Conde und der meisterhaften, echt klassischen und eleganten Interpretation von Carmen Durán, ohne jedes stimmliche Zugeständnis an zweifelhaften, noch immer geläufigen Geschmacksrichtungen, in Brasilien wie überall, und von denen wir lieber Abstand nehmen möchten, weil sie dem Original aus unserer Sicht keine Ehre erweisen.
Abends, eine rosige Wolke, langsam und durchsichtig schwebend, träumerisch schön.
Sanft erscheint in der Ferne der Mond, ziert den Abend wie ein zartes Mädchen
das sich sorgfältig und verträumt anzieht, voller Sehnsucht, um sich schön zu zeigen,
die ganze Natur erschallt zum Himmel und zur Erde!
Die Vögel schweigen zu den traurigen Klagen und das Meer spiegelt all den Reichtum wieder …
Sanft erweckt nun der Mondschein die schmerzliche Sehnsucht, die lacht und weint!
Bachianas Brasileiras No. 5 - Dança / Martelo (H. Villa-Lobos)![]()
Imitation oder stark rhythmische Variation, im Stil einer typischen »Embolada« aus dem Nordosten oder sogar eines »Forró«, des traditionellen »Desafio« (Wette/Herausforderung) auf dem kuriosen malerischen Text (auch nordöstlich!), von VL persönlich bestellt beim großen Dichter Manuel Bandeira (aus Pernambuco,
in Rio ansässig und Freund von VL): eine grandiose Hymne an den Reichtum seines Heimatlands mit all den Singvögeln.
Irerê, mein kleiner Vogel des Hinterlands von Cariri,
Irerê, mein Begleiter, wo bleibt die Gitarre?
Wo bleibt mein Schatz? Wo ist Maria?
Ach, trauriges Los eines singenden Spielers!
Ohne die Gitarre, auf der er von seiner Liebe sang,
sein Pfeifen ist deine irerê-Flöte:
Denn deine Flöte im Hinterland, wenn sie pfeift,
es tut so weh, ob man es will oder nicht!
Dein Gesang kommt aus dem tiefsten Hinterland
wie eine Brise, die das Herz erweicht.
Irerê, lass dein Singen los! Sing noch mehr!
Ja, sing noch mehr, um des Cariris zu gedenken!
Sing, cambaxirra! Sing, juriti! Sing, irerê!
Sing, sing, sofrê! Patativa! Bem-te-vi!
Maria-acorda-que-é-dia! Sing, ihr alle, Vögel des Hinterlands!
Bem-te-vi! He sabiá! Lá! liá! liá! liá! liá! liá!
He singender wilder Turdus! Lá! liá! liá! liá! Lá! liá! liá! liá! liá! liá!
Euer Gesang kommt aus dem tiefsten Hinterland
wie eine Brise, die das Herz erweicht.
Komposition von Alberto Conde mit einem kurzen Text (in englischer Sprache), den jrBustamante nachträglich hinzufügte. Vorspiel, afrobrasilianisch. Rein instrumentales Thema mit Klaviersolo und Variationen, die an Villa-Lobos erinnern. Zeitgenössischer Jazz-Stil. Thema für Stimme, Pop-Jazz, das in interaktivem Schluss eines Turn-around-Typs über die Zelle des Hauptthemas mit einem markanten Stil verbindet, der afrobrasilianischen mit symphonischem Jazz verschmilzt.
Somewhere… on the other side there will be the grace of a smiling face for me…
on the other side it may sound my name and none will ever be the same…
on the other side must be my dreamy place on earth,
a star will shine, mine will be glory, a dreamy story of loving hearts.
Improvisationstück für Klavier, original von Alberto Conde, formal angelehnt an den Stil der Romantiker, das als Übergang zum nächsten Teil des Programms dienen soll.
Choros No. 5 - “Alma Brasileira” (H. Villa-Lobos)![]()
Auch bei diesem Choro erprobten wir die Möglichkeit, auf die ursprünglichen Melodien von Villa-Lobos Worte hinzuzufügen, gewissermaßen als Kommentar zu der Struktur der Komposition, die wie fast jedes Stück der Serie einen bedeutenden Untertitel trägt, in diesem Fall »Brasilianische Seele«. Erwähnt sei auch hier die sorgfältige Achtung vordem originalen Aufbau des Werkes, denn sowohl die Bearbeitung von Alberto Conde als auch der zusätzliche Text, von Villa-Lobos Anweisungen zur Ausführung des Werks inspiriert, sucht dessen Charakter intakt zu lassen.
Vage, aber gut artikuliert, wie ein rhythmisches Gemurmel, ist der perfekteste Hinweis, um es singend auszudrücken
die gefühlvollen Variationen und Nuancen, die Essenz der brasilianischen Seele, die Rhyrhmus ist, Wiegen, sinnliches Singen.
Kommt, singen wir! Singen will ich in Dur mein Loblied an die brasilianische Seele!
Kommt, ihr Leute, lass uns fröhlich singen im Rhythmus eines gut geführten choro
oder eines moderaten Marsches (aliá!… aliô!…) die sanfte Kadenz dieses choro meiner brasilianischen Seele.
Vage und gut artikuliert, ein rhythmisches Gemurmel … das ist der perfekteste Ausdruck der brasilianischen Seele.
Afroamazonisches Stück für Alt, Schlagzeug und Kontrabass, bei dem die Stimme einen magischen Charakter ethnisch-schamanistischer Beschwörung einnimmt und die recht tiefe Vokalise als eine Sequenz moduliert, die sich in etwa wie ein Zweisilbiges »Auê« anhört – quasi als Vorwegnahme des Synkretismus vom folgenden Stück.
Choros No. 10 - “Rasga o coração” (H. Villa-Lobos)![]()
Es handelt sich um unsere größte künstlerische Herausforderung, um dieses Projekt zu vollenden.
In diesem Fall haben wir uns für den zweiten Teil des Originals entschieden, in dem der gemischte
Chor einsetzt mit Motiven des »Yara Schottisch« von Anacleto de Medeiros und des Wiegenlieds der
Parecis Indianer, die Villa-Lobos nach seiner üblichen Methode hier in vielen Variationen simultan verwendet, und mit einem lautmalerischen, von ihm selbst erfundenen Text, um die Redeweise der
Indianer zu imitieren, dies jedoch ohne jede Bedeutung, außer der des rein musikalischen synfonischen Effekts.
Der ursprüngliche Text von »Rasga o coração« (Zerreiß mir das Herz), von Catulo da Paixão Cearense, konnte, solange die Urheberrechte geschützt waren, nicht verwendet werden, darum hat Villa-Lobos
nur die Melodie von Anacleto de Medeiros benutzt mit Vokalisen für die Chorteile. Eine Zeit lang war
er des Plagiats beschuldigt. Heute, da der Text frei ist, werden gelegentlich bei Ausführungen dieses
Werks zumindest ein paar Sätze des Gedichts von Catulo mitgesungen.
Aus ästhetischen Gründen und moderner Sicht bevorzugen wir eine Anpassung von Inhalt und Form, behalten aber den Rhythmus bei, um den musikalischen Phrasen von Villa-Lobos zu folgen, nach der Bearbeitung von Alberto Conde.
Willst du die Illusionen vom Lieben erneuern,
vage Anlehnungen an alte Formen des Träumens,
zerreiß mir das Herz, beachte mit Güte
die Modulation meines Singens.
Verzierungen von einem Singen und Weinen,
vom brasilianischen Rhythmus, es ist meine
singende Stimme. Den Duft will ich an diesem
Abend … von berauschenden Blumen …
Nur weiter, wenn du in seinen Schlägen lesen
willst frühere Illusionen und was es verkündet
beim Dahinschwinden, was auf keiner Sphäre
geschehen kann, und vage, sanft glänzend,
rein und abgründig, in einem Urtraum ruht
als utopisches Ideal.
Sieh, drinnen willst du die Stimme erblicken,
die traurige leidvolle Verse moduliert
und klagende Gesänge, Mondscheinstrahlen,
magische Zeichen, Wasser auf der Suche
nach den Quellen.
(*) kursiv gesetzt: Originalzeilen des Gedichts
von Catulo da P. Cearense, hier als Paraphrase.
[Copyright © by jrBustamante, 2012]
Comments