Spanien

war es bislang - für mich! - Transitland, Durchfahrtsgebiet, unvermeidliches Terrain.
Fährt man von Deutschland oder jedem anderen Land Europas nach Portugal, die ganze Strecke mit dem Auto hin und zurück, gibt es keinen Ausweg.

Freilich gibt es auch keinen Grund dazu. Die finsteren Franco-Zeiten sind längst tot
und begraben … zumal für uns, Fremde, die höchstens einen kurzen Ausflug wagen
zum monströsen “Valle de los Caídos” (Tal der Gefallenen), dem schändlichsten
Zeugen des faschistischen Größenwahns, konszipiert, gefördert und realisiert vom
brutalen Zwerg mit der Fistelstimme, alias “paca la culona” (Franca Großarsch!).
Möge ihn Beelzebub halten und behalten samt seinen Mitläufern.

Bekanntlich gibt es noch makabre Spuren jener dunklen Zeit, nur allmählich wird
das ganze Gebiet teilweise gesäubert in einem langen hygienischen Prozess von
hoher Komplexität und mühseliger Durchführung. Die ungehörige Präsenz von
bösen Geistern, Schatten alter Dämonen, die vier Jahzehnte lang den Lebensraum
der Halbinsel verpesteten, scheint immun zu sein gegen die eindringlichen Be-
schwörungen demokratischer Avancen.

Santiago de Compostela

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Santiago de Compostela – erträumtes Ziel … seit Langem. Überbleibsel einer mittelalterlichen Romantik, die an alte Camino-Legenden anknüpfen.

Eindrucksvolle Dias, die eine Freundin aus Santiago mitbrachte, erweckten Jugend-
träume und vermehrten die Illusionen, die mich schon in die Hauptstadt Galiciens
geistig versetzten.
Und eine alte Stimme flößte mir ein, leise in meinen Ohren: nicht weit von dort
kannst du was bewundern … die »Meereswellen von Vigo«.
Galicisch-Portugiesische-Philologie-Vorlesungen hatten in die Fantasie des Semi-
minaristen den Samen der Neugier nach so romantischen entfernten »Wogen«
gesät.

Ondas do mar de Vigo… Ondas do mar levado…
Ai ondas que eu vin veer, se me saberedes dizer…

Ai ondas que eu vin mirar, se me saberedes contar…

Auf ihrer Reise durch Spanien hatte eine Kusine unsere kantabrischen Wurzeln entdeckt, einschließlich Wappen, Türme, Schlösser, usw., die ich eines Tages besichtigen würde, in Altamira, Quijas und Umgebung.

A Coruña

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A Coruña für mich [für uns] ist vor allem Monte Alto – ein charmantes Viertel,
das praktisch den gesamten Hügel [auf dem Foto oben etwas abgeflacht] und
den größten Teil der Insel (Halbinsel) einnimmt, wo der Herkulesturm sich be-
findet, zehn Minuten zu Fuß von unserem Haus. (Von 2010 bis Anfang 2012.)

Aus meinem Fenster und von der Terrasse aus erblickte man das Meer von allen
Seiten und eigentlich auch die ganze Stadt, darin mit hatnäckiger Ausdauer und
rauschendem Singsang die den breiten Sandstrand ableckenden Wellen über den
eindrucksvollen Halbkreis der Bucht.

Vom Meer umgeben, ozeanisch, atlantisch, mal ruhig, mal wild, unser Horizont
verlor sich in die blaugrüne Oberfläche, die uns jeden Tag, neben dem dankbaren
erfreulichen Gefühl großer visueller Freiheit über die Hügel im Süden, dem impo-
santenProfil eines Handelsschiffes oder Luxusliners und der Allgegenwart von un-
schlagbaren gefräßigen schreienden Möwen, auch häufig die typischen brétemas
ins Land brachte (und sicherlich immer noch bringt), das galicische Wort für Nebel,
in der Regel mit Meereswind verbunden.

Cangas

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Vigo kannte ich schon, seine wunderschöne Bucht, die berühmten “ondas do mar
de Vigo” der mittealterlichen Cantigas.

In Moaña war ich auch ein Mal gewesen, eines schönen Sommertages.
Unsere unvergesslichen Großeltern aus Vigo, Pura und Alonso, hatten uns zum
Essen eingeladen, ich erinnere mich an die erste Überfahrt mit der Fähre und an
eine üppige Tafel mit Meeresfrüchten – unvergesslich die großartige Landschaft
zwischen Berg und Meer und die überaus schmackhafte galicische Kost.

Cangas? Kannte ich nicht.
Ein glücklicher Zufall, der Tipp eines Jazz-Freundes (der wusste, dass wir einen
günstigeren Ort mit besserem Klima als A Coruña suchten) brachte uns hierher,
um dies malerische Städtchen zu erkunden, das auf der anderen Seite der Bucht
von Vigo liegt, auf der Halbinsel Morrazo, fast ganz vom Atlantik umgeben.

Es war Ende Februar, ein sonniger Tag mit den ersten Strahlen und Knospen des Frühlings. Eine reizende Überraschung, Liebe auf dem ersten Blick.

Die Überfaht mit der Fähre Vigo-Cangas – ein eindrucksvolles Erlebnis, und der Blick auf die Inseln Cíes im Hintergrund einfach einmalig.